Otto Pankok – Ein Lebenslauf

Bei jemandem, der derart emsig arbeitete, könnte man erwarten, dass Otto Pankok sich überwiegend in Ateliers zurückzog. Sein umfangreiches Œuvre schlägt mit über 6000 Kohlezeichnungen, an die 800 Holzschnitte und eine ähnliche Anzahl an Radierungen zu Buche. Hinzu kommen etwa 500 Lithographien, Steinschnitte und Monotypien. Für die die Düsseldorfer Zeitung „Der Mittag“ fertigte er eine Vielzahl von Zeichnungen an und er schuf über 200 Plastiken.

Dass er ganz im Gegenteil in seinem bewegten Leben auch eine Vielzahl an längeren Reisen unternahm, um neue Inspiration und neues Wissen zu erlangen, zeigt die folgende ausführliche Zusammenschrift seines Lebenslaufs:


Von der Geburt bis zum Weltkrieg

1893 – am 6. Juni geboren in Saarn bei Mülheim/ Ruhr als Sohn eines Arztes
1899 – die zeichnerische Begabung wurde erkennbar und gefördert
1904 – 1912 Besuch des Gymnasiums in Mülheim, seit 1909 Reisen nach Holland. Hier sieht er auch zum ersten Mal Werke von Vincent van Gogh, der ihn in dieser frühen Phase stark inspiriert
1912 – Abitur, sechs Wochen Akademie Düsseldorf, sieben Monate Kunstakademie Weimar (Mackensen, Egger, Lienz)
1913 – seit März Malaufenthalt in Döttlingen/Oldenburg, erste Einzelausstellung in Oldenburg
1914 – zwei Monate in Paris (Academie Russe, Academie de la Grande Chaumière), dann wieder Döttlingen.
Am 12. Dez. Einberufung zum Militär.
1915 – an der Westfront in Nordfrankreich bei Grabensprengung verschüttet
1916 – 1918 – nach Lazarett- und Sanatorienaufenthalten aus dem Wehrdienst entlassen. Zunächst in Berlin, dann in Veschta/Oldenburg,
Ausstellung im „Graphischen Kabinett von Bergh u. Co.“, Düsseldorf
1917 – In Vechta entsteht die aus 35 kleinformatigen Radierungen bestehende Folge „Der gefällte Wald“

Zwischen den Weltkriegen

1919 – Aufenthalt in Remels/Ostfriesland. Mit den Malerfreunden Gert Wollheim, Männe Hundt, Richard Gessner und Ulf Lüken. Er geht mit Gert Wollheim nach Düsseldorf, wo er bis 1958 überwiegend ansässig bleibt
1920 – Mitglied im „Aktivistenbund 1919“ und „Das Ey“, später „Das junge Rheinland“. Ausstellung bei Frau Ey in Düsseldorf der entstandenen Blätter in Remels, Herausgabe der Zeitschrift „DAS EY“ von Pankok und Wollheim.
1921 – Heirat mit der Journalistin Hulda Droste, Reise nach Remels
1922 – Ausstellungen in Münster und in der Kunsthalle Düsseldorf
1923 – Sommer in Langballigau/Ostsee, im Herbst Reise nach Weimar.
Im Axel Junker Verlag Berlin erscheint in einer Auflage von 300 Ex. „Ballade des Zuchthauses zu Reading“ von Oscar Wilde, mit 7 Originalradierungen von Otto Pankok
1924 – erste Italien-Reise, Aufenthalt in Annacapri, Reise nach Syrakus und Palermo. Portraits von Persönlichkeiten erscheinen in „Der Mittag“
Im Julius Baedeker-Verlag Düsseldorf erscheint die Mappe mit 10 Radierungen von Otto Pankok, einem Gedicht von Dèsi Stinnes und einem Vorwort von Otto Markan. Er reist mit Walter Gilles zusammen nach Rom, Neapel, Postitano und Capri
1925 – von Capri wieder nach Sizilien und Sardinien.
Geburt der Tochter Eva am 14. Juli
1926 – 1928 – Aufenthalte im niederrheinischen Dorf Drevenack bei Wesel.
Begegnung mit dem niederrheinischen Maler August Oppermann
1927 – erste Reise nach Südfrankreich: Sanary und Le Brusq.
Bei Piper in München erscheint die Mappe „Zeichnungen“ mit einer Einleitung von Wilhelm Worringer
1928 – erneuter Aufenthalt in Drevenack
1929 – Spanien-Reise: Madrid, Toledo, Aufenthalt in Cadaques
1930 – mehrere Monate in Giethorn/Overijssel (Niederlande)
Otto Pankoks Buch „Stern und Blume“ erscheint.
Verbindung mit Max Picard
1931 – Frankreich-Reise: Cevennen und Rhônetal.
Von Oktober an Atelier in Heinefeld in Düsseldorf: Arbeitslosensiedlung und Zigeunerlager. Dort arbeitet er bis 1934 und es entsteht der größte Teil der „Zigeunerbilder“, die später (1947) in der Buchausgabe zusammengefassten 134 Kohlebilder, die im von Hulda Pankok geleiteten Drei Eulen Verlag, Düsseldorf, erscheinen. Ausstellung „Zigeuner-Bilder“ in der Kunsthalle Düsseldorf

Pankok während der Naziherrschaft

1933 – Fahrt zu Else Lasker-Schüler nach Ascona.
(Else Lasker-Schüler verbrachte ihre letzten Schaffensjahre in Israel. Dort starb sie 1945).
Neben den „Zigeunerbildern“ entstehen die Bilder zur „Passion“.
1934 – Aufenthalt in Masuren. Arbeit an den Kohlezeichnungen des Zyklus „Die Passion“ mit 60 Bildern.
Aus der Ausstellung „Westfront 1933“ in Essen werden einige seiner Bilder entfernt. Die Kunsthalle Düsseldorf zeigt „Berühmte Zeitgenossen“.
1935 – im Münsterland (Wasserschlösschen Haus Langen)

1936 – Beginn von Hausdurchsuchungen, Polizeiaufsicht, Arbeitsverbot,
Aufenthalt in Gildehaus. Die „Passion“ erscheint als Buch beim Kiepenheuer Verlag, Berlin und wird 36/37 sofort beschlagnahmt.
1937 – Aufenthalt in Törwang/Oberbayern. Aus deutschen Museen werden 56 Werke OPs beschlagnahmt, in der Ausstellung „Entartete Kunst“ wird sein Litho „Hoto II“ OP gezeigt
1938 – 1941 – Aufenthalt erst am Bourtanger Moor, dann mehrere Jahre in Bokeloh a.d. Haase (bei Meppen) im Emsland
1939 – Hauptteil der Bilder in Wamel bei Soest versteckt.
Ein Emigrationsversuch in die Schweiz missglückt.
1940 – Tod des Vaters. Beginn der Arbeit am Juden-Mahnmal (Museum in Gelsenkirchen)

1941 – Umzug nach Iversheim in der Eifel
1942 – Wohnhaus in Düsseldorf ausgebombt, Übersiedlung nach Pesch i.d. Eifel, wo die Familie bis 1946 wohnt. Hier verstecken die Pankoks auch das Ehepaar Brunhilde und Matthias Barz, die unter anderem durch diese Unterstützung die Schreckensdiktatur überleben.

Nach dem 2. Weltkrieg

1945 – Hulda Pankok gründet den „Drei Eulen Verlag“
1946 – Übersiedlung nach Düsseldorf in das wieder aufgebaute Haus,
Zum Jahreswechsel große Ausstellung in der Kunsthalle Düsseldorf
1947 – Berufung an die Kunstakademie Düsseldorf, Professur mit einer Zeichenklasse (1947-1958)
Tod der Mutter.
Stärkere Hinwendung zur Radierung
1948 – Sommermonate in Bokeloh.
Herausgabe des Buches „Deutsche Holzschneider“
1949 – Aufenthalt in Einen i. Westfalen
1950 – Erste Frankreich-Reise nach dem Krieg: Fontvielle, Provence Otto Pankok sendet seinen unter dem Eindruck der diskutierten Wiederbewaffnung Deutschlands entstandenen Holzschnitt „Christus zerbricht das Gewehr“ an Papst Pius XII.
1951 – zweite Frankreich-Reise nach Fontvielle. Entstehung der Aquatinta-Blätter
1952
– dritte Frankreich-Reise: St. Saturnin und Rousillon
1953 – zwei Reisen nach Jugoslawien: Cavtat/ Dalamtienund Buzet/ Istrien.
Grafikpreis der Biennale von Sâo Paulo
1954 – dritte und vierte Jugoslawienreise nach Ohrid/ Mazedonien
1955 – fünfte Jugoslawienreise: Njegusi in Montenegro
1956 – sechste Reise nach Jugoslawien, Beginn der Holzschnittfolge „Die
Räuber vom Liang Schan Moor“, außerdem Veröffentlichung des Buches „Begegnungen“
1957 – zum korrespondierenden Mitglied der Deutschen Akademie der Künste, Berlin Ost) ernannt.
Aufenthalt an der Ostsee/ Hasselberg bei Kappeln

Die letzte Lebensphase

1958 – Ende der Lehrtätigkeit. Übersiedlung in das erworbene Haus Esselt bei Hünxe-Drevenack/ Niederrhein
1959 – Arbeit im Haus Esselt, Studium der Hühner
1960 – Veröffentlichung des Bildbandes „Die Räuber vom Liang Schan Moor“ mit Wiedergabe der 40 Farbholzschnitte zum chinesischen Volksroman
1961 – 1964 – Aufenthalt im Haus Esselt, einige Zeit in Helte bei Meppen im Emsland, sein Freund Otto Nagel sendet gute Wünsche für das Jahr 1964.
In der Kirche in Brünen wird die Plastik „Sitzende Frau mit in die Hände gestützem Kopf“ als Mahnmal aufgestellt
1965 – Verleihung des Ruhrpreises für Kunst und Wissenschaft der Stadt Mülheim a. d. Ruhr
1966 – Beginn des geplanten Zyklus „Der große Pan ist tot!“
Reise in die Bretagne.
Gestorben am 20. Oktober in Wesel


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